Der Deutsche Mieterbund Baden-Württemberg e. V. appelliert an das Land Baden-Württemberg, die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Kürzungen des Wohngeldes abzulehnen und in der am Freitag anstehenden Bundesratssitzung dagegen zu stimmen. „Die geplanten Einsparungen beim Wohngeldetat in Höhe von 45 Prozent sind unverhältnismäßig und ein sozialpolitischer Rückschritt. Wir fordern die Landesregierung Baden-Württemberg eindringlich dazu auf, die Kürzungen beim Wohngeld abzulehnen“, sagt Winfried Kropp, Landesvorsitzender des Deutschen Mieterbundes Baden-Württemberg e. V. „93 Prozent aller Wohngeldempfänger bundesweit sind Mieterhaushalte, vor allem Rentnerinnen und Renter, Familien mit Kindern und Alleinlebende. Diese Menschen verfügen über wenig finanziellen Spielraum und müssen angesichts steigender Wohnkosten dringend unterstützt werden“.
Zuvor hatten auch die im Bundesrat federführenden Ausschüsse für Wohnungswesen und Arbeit und Sozialpolitik eine Ablehnung empfohlen. Insbesondere die Tatsache, dass schätzungsweise 380.000 Haushalte aus dem Wohngeldbezug herausfallen werden und künftig auf andere Sozialleistungen angewiesen sind, sorgt für Kritik. Zudem wird die voraussichtlich steigende Zahl von Bürgergeld- und Sozialhilfeempfängern zu höheren Kosten bei den Kommunen führen und dadurch nicht zu den erhofften Einsparungen beim Wohngeld führen. Der Mieterbund geht sogar von bis zu 500.000 Haushalten aus, die im Zuge der Reform aus dem Wohngeldbezug herausfallen und auf andere Sicherungssysteme angewiesen sind.
Baden-Württemberg ist das Bundesland, mit der höchsten Anzahl an Wohngeldhaushalten bundesweit (111.000 in 2024). Damit hätten die geplanten Kürzungen eine besonders starke Auswirkung auf Baden-Württemberg, so Winfried Kropp, Landesvorsitzender des Deutschen Mieterbundes Baden-Württemberg e. V.
„Leistungskürzungen senken keine Mieten und schaffen keine einzige zusätzliche Wohnung. Sie erhöhen vielmehr das Risiko von Mietrückständen, Wohnungsverlust und Wohnungslosigkeit“, so Kropp. „Wer den Sozialstaat entlasten will, muss endlich in dauerhaft bezahlbaren Wohnraum investieren und Mieterinnen und Mieter wirksam schützen“.
Die Wohnungs- und Mietenkrise hat sich in Deutschland auf hohem Niveau verfestigt und wird zunehmend zur Sozialstaatskrise. Das zeigt der kürzlich veröffentlichte Mietenreport des Deutschen Mieterbundes. Eine repräsentative Befragung im Rahmen des Mietenreports 2026 zeigt die wachsende Unsicherheit: 58 Prozent berichten von gestiegenen Wohnkosten innerhalb der vergangenen zwölf Monate. 29 Prozent sorgen sich, ihre Miete künftig nicht mehr bezahlen zu können. Jeder Zweite befürchtet, im Bedarfsfall keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden. Mehr als jeder vierte Mieter könnte die eigene Wohnung nach einem starken Einkommensverlust höchstens noch drei Monate halten.
