Vorsicht bei Immobilien-Werbung

18. Mai 2017 | Von | Kategorie: Aktuell, Konstanz

„Irreführende Werbung“ wirft der Mieterbund Bodensee einem großen Konstanzer Immobilienbüro vor. Der Wohnungsvermittler habe in einer Werbesendung an viele Konstanzer Haushalte das Stadtwappen und eine Stadtkarte im Stil amtlicher Publikationen der Stadtverwaltung Konstanz verwendet, kritisiert der Vorsitzende des Mieterbunds, Stadtrat Herbert Weber. „Der schnelle Leser gewinnt so den Eindruck, er habe es mit offiziellen Informationen der Stadt Konstanz zu tun.“

Doch dem sei nicht so. Mehr noch: Wer sich auf die Angaben in der Werbesendung verlasse, erleide möglicherweise erhebliche wirtschaftliche Nachteile befürchtet der Mieterbund.

Mietspiegel wird nicht erwähnt

Das Immobilien-Unternehmen gab nämlich an, dass sich „Mietangebote für Bestandswohnungen“ zwischen 7,73 Euro und 14,41 Euro je Quadratmeter bewegten. Die Durchschnittsmiete in Konstanz liege bei 11,11 Euro pro Quadratmeter. „Niemand kann nachvollziehen, wie der Vermittler auf diese Schnapszahl gekommen ist,“ kritisiert Weber diese Angaben. So werde nicht erklärt, ob es sich bei diesen Preisen um die Kaltmiete oder um eine Miete handle, die alle Nebenkosten bereits einschließe. Ebenfalls nicht erwähnt werde der Konstanzer Mietspiegel, der auf Grundlage von 1000 existierenden Mietverträgen die ortsübliche Vergleichsmiete ausweise. „Wer wissen will, welche Miethöhe für eine Wohnung angemessen ist, muss Alter, Größe, Lage, Ausstattung und Beschaffenheit einer Wohnung berücksichtigen, erläutert Mieterbund Vorstandsmitglied Winfried Kropp. Durchschnittswerte, die Makler oder auch Immobilienportale veröffentlichen, seien in der Regel überteuert. „Denn es werden nur Objekte erfasst, die aktuell zum Maximalpreis angeboten werden.“ Niemand könne erkennen aus wie vielen Wohnungen der angebliche Durchschnittswert errechnet wurde.

Datenquellen bleiben unklar

Der Mieterbund vermisst in der Werbesendung einen Hinweis auf den Konstanzer Mietspiegel oder die Bodenrichtwertkarte, die die Geschäftsstelle des Gutachterausschusses der Stadt jedes Jahr erstellt. Stattdessen nenne die Immobilienfirma Kaufpreise für Wohnungen und Häuser aus Daten, die vom 1. Februar 2015 bis zum 1. Februar 2017 von irgendjemand erfasst worden seien. Wie viele Kaufverträge in die Erhebung eingegangen sind, werde nicht genannt. „Kurz: Diese Angaben sind nicht nachvollziehbar,“ fasst Herbert Weber die Kritik zusammen. Der abgedruckte Stadtplan unterteile das Konstanzer Stadtgebiet lediglich in fünf Wohnlagen, die von einfacher Wohnlage bis zur Top-Wohnlage reichen. Überschrieben wird die achtseitige, auf DIN A 5 gefaltete Werbesendung zudem mit „Immobilien-Report“, um den offiziellen Eindruck zu unterstreichen.

Stadtwappen missbräuchlich verwendet

„Wir halten diese Form der Werbung für unseriös“. Der Mieterbund habe sich daher auch an Oberbürgermeister Uli Burchardt gewandt und fordere, die Stadt müsse gegen die mißbräuchliche Verwendung ihres Wappens vorgehen, erklärte Weber.

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