Vonovia-Vorstandsmitglied Klaus Freiberg traf auf wütende Mieter

11. Oktober 2018 | Von | Kategorie: Aktuell, Konstanz, Vonovia

Mieter in der Konstanzer Schwaketenstraße protestieren weiter gegen die Modernisierungen ihres Hauseigentümers. Dies erfuhr Klaus Freiberg, Mitglied des Vorstands der börsennotierten Aktiengesellschaft Vonovia, der die 252 Wohnungen gehören, auf einem Ortstermin in Konstanz. Die grüne Landtagsabgeordnete Nese Erikli hatte Freiberg gemeinsam mit dem Mieterbund Bodensee zu einem Ortsterin eingeladen, an dem auch der wohnungspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Chris Kühn teilnahm.

Mieter wehren sich gegen Modernisierung

Anfang August hat Vonovia mit der Modernisierung der beiden Wohnblocks begonnen. Im ersten Gebäude wurden bereits die Fenster ausgetauscht und die bestehende Dämmung von der Fassade gerissen. Mieter führten Freiberg und Kühn durch die Wohnanlage und zeigten eine unrenovierte Wohnung und eine Wohnung, in der vor kurzem die Fenster ausgewechselt wurden. Gerade dieser  Teil der Modernisierung sorgt bei den Mietern für Unmut. Sie sehen keine Wohnwertverbesserung und betonen, ihre Wohnungen  seien bereits 2003 mit einer neuen Wärmedämmung und ausgestattet worden und wehren  sich dagegen, dass sie die Fenster und Isolation nun doppelt bezahlen sollen. Die seit Jahren anstehende Sanierung der Wasserversorgung in den Häusern sei dagegen eine notwendige Instandhaltung, also Vermieteraufgabe und keineswegs eine Modernisierung.

Nese Erikli: Vonovia handelt rechtlich zulässig, aber “anständig ist das nicht”

Darauf wies auch der Vorsitzende des  Mieterbund Bodensee, Herbert Weber hin: Kein privater Bauherr würde gut funktionierende Fenster nach nicht einmal der Hälfte der Nutzungsdauer herausreißen. Die von der Vonovia geforderten Mieterhöhungen nach der  Modernisierung seien für niemanden tragbar. Bis zu 47 Prozent mehr Miete müssen die Mieter nach Abschluss der Bauarbeiten, die sie nicht wollen, bezahlen. Gerade 11 Cent Heizkosten pro Monat könnten Mieter nach der Modernisierung sparen. Dies stehe in keinem Verhältnis zum Modernisierungsaufwand von über drei Euro. Das Handeln der Vonovia sei zwar rechtlich zulässig, sagte Nese Erikli, „aber anständig ist das nicht. Es ist ein Unding, wenn neuwertige Fenster und eine gute Fassadendämmung auf den Müll geworfen werden“, warf Erikli Freiberg vor.

Vonovia verspricht Härtefallregelungen

Im Gespräch mit den betroffenen Mietern erklärte Freiberg, sein Unternehmen werde keine „alteingesessene und ältere Mieter aus ihren Wohnungen vertreiben“. Er kündigte an, dass alle Mieterinnen und Mieter nach der Modernisierung ihre Miete bezahlen können. Dafür werde es Härtefallregelungen geben. Doch wie diese aussehen werden, ließ der Manager offen. Herbert Weber vom Mieterbund Bodensee vernahm die Botschaft, ist aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit  dem Unternehmen äußerst skeptisch. Auch eine weitere Aussage Freibergs wurde aufmerksam registriert. Er kündigte an, dass die Modernisierungskosten der Fassadendämmung um den Wert der bestehenden Isolierung gemindert werden könnte. „Wir werden Herrn Freiberg beim Wort nehmen, kündigte Weber an. Viele Mieter hätten parallel zur Modernisierungsankündigung auch eine Mieterhöhung erhalten, beschwerten sich Betroffene. „Warum kassieren Sie doppelt?“, wurde Freiberg gefragt. Nese Erikli forderte von Freiberg, dass  sein Unternehmen die  menschlichen Schicksale im Auge haben müsse.

Chris Kühn (Grüne) fordert Mietrechtsänderung

Der Bundespolitiker Chris Kühn kritisierte die Modernisierungsstrategie des  Unternehmens Vonovia ebenfalls. Er forderte daher eine Änderung des Mietrechts. Die Bundesregierung wolle zwar eine Obergrenze für Modernisierungskosten einführen  und die zulässige Umlage senken. Doch die Regierungspläne reichten bei weitem nicht aus, so Kühn. Dies zeige sich gerade in Konstanz: Bei den meisten Mietern wäre der Regierungsvorschlag kaum spürbar. Auch eine Mieterhöhung von „nur“ 42 Prozent könne niemand bezahlen.

Nese Erikli hatte sich bereits im Juni ein Bild von den geplanten Bauarbeiten gemacht und sich gegenüber der Vonovia und der Landesregierung für die Interessen der  Konstanzer Mieter stark gemacht. Sowohl Vertreter der  Mieterinitiative als auch Herbert Weber bedankten sich bei der Abgeordneten für  ihren Einsatz.

2018: Chris Kühn MdB und Vonovia-Vorstand Freiberg

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