SÜDEWO-Wohnungen wechseln Besitzer

15. Juni 2015 | Von | Kategorie: Aktuell, Konstanz

(aktualisiert 16.6.) Mieter in der Konstanzer Jacob-Burckhardt-Straße kommen vom Regen in die Traufe. Der Großvermieter Deutsche Annington hat die Wohnungen der SÜDEWO gekauft. In Baden-Württemberg sind 19.500 Wohnungen betroffen, in der Stadt Konstanz bekommen 400 Mieterhaushalte vor allem am Sonnenbühl einen neuen Vermieter. Die bestehenden Mietverträge bleiben gültig. Dennoch ist das “eine schlechte Nachricht” für die betroffenen Mieter, sagte Mieterbund-Vorsitzender Herbert Weber.

Nur drei Jahre lang gehörten die 400 Konstanzer Mietwohnungen der SÜDEWO-Gruppe. Die börsennotierte Deutsche Annington AG übernimmt die Wohnungen der Gesellschaft SÜDEWO, die früher der Landesbank Baden-Württemberg gehört haben. Der Deutsche Mieterbund Bodensee kritisiert den Verkauf: „Die Südewo-Eigentümer haben durch Mieterhöhungen und Wohnungsverkäufe abkassiert,“ sagte der Verbandsvorsitzende Herbert Weber. „Die Zeche zahlen die Mieter, die für schlechter werdende Leistungen immer höhere Mieten tragen mussten, damit der Konzern Profite machen konnte.“ In Konstanz und anderen Städten sei durch den mehrfachen Verkauf der Wohnungen preisgünstiger Wohnraum übermäßig verteuert worden.

Der Mieterbund Bodensee appelliert an die Deutsche Annington, die vom Unternehmen versprochene „langfristig ausgerichtete, am Mieter orientierte Strategie“ tatsächlich mit Leben zu erfüllen und nicht den Kaufpreis durch überzogene Mieterhöhungen „möglichst schnell wieder reinzuholen.“ Die bisherigen Eigentümer der SÜDEWO, ein Zusammenschluss von Investoren unter Führung der Augsburger Patrizia AG, hatten eine Sozialcharta für die Wohnungen abgegeben. Diese soll nach Unternehmensmitteilungen weiter gelten. Praktische Schutzwirkungen für die Mieter habe sie jedoch kaum gehabt, sagt Herbert Weber. „Das Versprechen einer Sozial-Charta verbessert in der Regel nicht den Mieterschutz, sondern soll das schlechte Gewissen der Öffentlichkeit beruhigen.“ Weder begrenzte die Sozialcharta wirksam die Mieterhöhungen, noch sicherte sie in ausreichendem Maße die notwendige Instandhaltung der Wohnungsbestände

Der Verkauf der Wohnungen habe für die Mieter zunächst keine unmittelbaren Auswirkungen: „Kauf bricht nicht Miete,“ fasst der Mieterbund die Rechtslage zusammen. Alle Mietverträge gelten unverändert weiter. Auch die Mietzahlungen müssen wie bisher geleistet werden. Der neue Eigentümer habe kein Recht, die Miete ohne berechtigtes Interesse zu erhöhen. Bis Mitte Juli sollen die Formalitäten des Eigentümerwechsels abgeschlossen sein. Ob die Mieter einen neuen Ansprechpartner in der Verwaltung erhalten werden, sei noch nicht absehbar, so der Mieterbund.

Der neue Eigentümer sei verpflichtet die Wohnungen instand zu halten und Mängel zu beseitigen, so Weber. Allerdings haben Mieter in anderen Städten mitunter schlechte Erfahrungen mit der Deutschen Annington gemacht. Der Mieterbund Bodensee hoffe daher, dass sich das Unternehmen seiner Verantwortung für seine Wohnungsbestände bewusst sei und in Konstanz seinen vertraglichen Verpflichtungen gerecht werde.

Wohnungspolitisch bestätige sich, dass der Verkauf großer Immobilienbestände an gewinnorientierte Unternehmen unter volkswirtschaftlichen und sozialen Aspekten von Nachteil sei, so Weber. Die Patrizia hatte der Öffentlichkeit ein langfristiges Engagement für die Wohnungen zugesichert. „Das war ein leeres Versprechen.“

 

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