Neue Mieter zahlen ein Drittel mehr

15. April 2014 | Von | Kategorie: Konstanz, Wohnungspolitik

Mieterbund: Konstanz braucht die Mietpreisbremse.

Wer sich neu in Konstanz niederlässt oder innerhalb der Stadt umzieht muss kräftig in die Tasche greifen. 2,43 Euro pro Quadratmeter müssen neue Mieter mehr bezahlen als ihre Nachbarn, die schon etwas länger in einer vergleichbaren Wohnung wohnen. Darauf macht der Vorsitzende des Mieterbunds Bodensee, Stadtrat Herbert Weber aufmerksam. Ermittelt hat diese Zahlen das Hamburger Institut F+B, das jährlich alle Mietspiegel in Deutschland auswertet und in einem Index zusammenfasst. „Nirgendwo ist der Abstand zwischen neu vereinbarten Mieten und Vergleichsmieten so groß wie in Konstanz“, fasst Weber das Ergebnis zusammen. Der Mieterbund  Bodensee stellt daher fest: „Keine andere Stadt in Deutschland braucht die Mietspreisbremse so dringend wie in Konstanz.“

Bundesjustizminister Heiko Maas hatte kürzlich einen ersten Gesetzentwurf zur Mietspreisbremse vorgestellt. In Gebieten mit gefährdeter Wohnraumversorgung soll die Höhe der Mieten in neuen Mietverträgen begrenzt werden: Vermieter sollen maximal 10 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete verlangen dürfen. „Das ist immer noch viel Geld,“ sagt Weber zum vorgesehenen Erhöhungsspielraum. Angesichts der derzeitigen Lage auf dem Konstanzer Wohnungsmarkt sei ein Mieterwechsel für Vermieter „fast wie ein Lottogewinn“, ergänzt Mieterbund-Vorstandsmitglied Winfried Kropp. Ohne eigene Investitionen steigen die Erträge für Vermieter bei Neuvermietung um durchschnittlich 33 Prozent. Schon in wenigen Jahren werde sich diese Marktentwicklung auf die Mieten im Wohnungsbestand auswirken, befürchten die Mietervertreter.

Das F+B Institut vergleicht jährlich die Mietspreisentwicklung aller Städte, die über einen Mietspiegel verfügen und stellt sie den sogenannten Neuvertragsmieten gegenüber. Ausgewertet werden 334 Städte über 20.000 Einwohner, in denen es einen Mietspiegel gibt, erläutert Kropp die Berechnungsgrundlagen. Mit einer absoluten Differenz von 2,43 Euro belegt Konstanz den unrühmlichen ersten Tabellenplatz unter den Städten mit den höchsten Preissteigerungen in Deutschland.  Auf Platz 2 folgt Frankfurt am Main, wo die Neuvertragsmieten um 2,38 Euro über den Bestandsmieten liegen. In Heidelberg beträgt die Differenz 2,30 Euro. Betrachte man die relative Preisentwicklung, so liege Konstanz mit 33 Prozent auf dem dritten Platz, berichtet Kropp. Mit 36 und 34 Prozent sei die Preisentwicklung nur in Regensburg  und Münster etwas ungünstiger. Allerdings liege die Ausgangsbasis in diesen Städten wesentlich niedriger. Die  Vergleichsmiete wird jeweils mit 6,33 Euro angegeben. Konstanz ist mit 7,27 Euro pro Quadratmeter deutlich teurer.

Der Mietspiegelindex vergleiche zehn Jahre alte, 65 Quadratmeter große Wohnungen in mittlerer Lage miteinander. „Diese Durchschnittswerte sind daher nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Kropp. Für kleinere Wohnungen, in denen die Mieterfluktuation noch höher ist, werden viel höhere Preise verlangt als die 9,70 Euro, die das F+B – Institut als Marktmiete für Konstanz ermittelt hat. In der Rangliste der teuersten Städte in Deutschland belegt Konstanz wie im Vorjahr Platz 21. Der Index weist einen Wert von 117 aus. Das heißt, die ortsüblichen Vergleichsmieten sind um 17 Prozent höher als im Bundesdurchschnitt. Das ist teuer als beispielsweise Heidelberg, aber immer noch etwas günstiger als im mittleren  Neckarraum, Freiburg oder Tübingen.

Der Mieterbund drängt gegenüber der Politik auf ein schnelles Gesetzgebungsverfahren für die Mietpreisbrmese und appelliert an die Bundestagsabgeordneten der Regierungsparteien, sich nicht vom Trommelfeuer der Makler- und Vermieterverbände vom Kurs abbringen zu lassen. Denn nach dem Gesetzesbeschluss des Bundestags müssen nämlich noch die Bundesländer aktiv werden. Vorgesehen sei, dass die Länder per Rechtsverordnung die Regionen bestimmen sollen, in denen die Mietpreisbremse greift. Eine vergleichbare Regelung gebe es bereits bei der ermäßigten Kappungsgrenze. Seit Mai 2013 kann auf engen Wohnungsmärkten eine Mieterhöhung im bestehenden Mietverhältnis auf maximal 15 Prozent  beschränkt werden. Doch in Baden-Württemberg gebe es knapp ein Jahr nach der Rechtsänderung immer noch keine Verordnung. „Die Landesregierung ist zu langsam. Das kostet Konstanzer Mieter jeden Tag viel Geld,“ schimpft Weber.

Was folgt für Konstanz aus den Daten? „Wir dürfen beim Handlungsprogramm Wohnen nicht zögern,“ sagt Weber. Der Gemeinderat müsse sich den Bemühungen der CDU und der freien Wähler, die städtebauliche Entwicklungsmaßnahe aus dem Handlungsprogramm zu streichen, widersetzen, fordert der Stadtrat. Außerdem dürfe der Rat die Zweckentfremdungssatzung nicht länger verzögern, wiederholte Kropp eine Mieterbund-Forderung. „Diese Satzung kostet nichts und wirkt sofort.“

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