Mietspiegel in der Region gemeinsam erstellen

31. Januar 2018 | Von | Kategorie: Aktuell, Mietspiegel

Wohnungssuchende wissen: Die Mieten nicht nur in der Stadt Konstanz, sondern im ganzen Kreis sind hoch. Doch wie hoch? Nur in Konstanz und Radolfzell gibt es einen Mietspiegel, die darüber Auskunft geben. Das will der Deutsche Mieterbund Bodensee nun ändern und regt eine regionale Zusammenarbeit an. Helfen könne dabei ein neues Förderprogramm des Landes. Darauf machen die Mieterbund-Vorstandsmitglieder Herbert Weber und Winfried Kropp den Landrat Frank Hämmerle aufmerksam.

Land unterstützt Kooperationsprojekte

2018 und 2019 will das Land Städten und Gemeinden Zuschüsse geben, die gemeinsam eine solche Mietpreisübersicht erstellen. 400.000 Euro hat das Wirtschaftsministerium für diese Modellprojekte eingeplant. Vorbild ist der benachbarte Bodenseekreis, in dem nicht nur Städte wie Überlingen, sondern auch viele kleinere Kreisgemeinden seit einigen Jahren einen Mietspiegel anbieten.

Objektive Übersicht über Mietpreise

Ein qualifizierter Mietspiegel gibt Auskunft, welche Wohnungsmieten ortsüblich sind, erläutert der  Mieterbund-Vorsitzende Herbert Weber. Dabei wird das Baujahr, die Größe, die Lage, die Ausstattung und die Beschaffenheit einer Wohnung berücksichtigt. Viele Daten eines lokalen Wohnungsmarkts fließen in diese Statistik ein. Qualifiziert ist ein Mietspiegel dann, wenn er nach anerkannten wissenschaftlichen Methoden erstellt wird. In der Stadt Konstanz sorgt seit 2002 ein Mietspiegel für Transparenz auf dem Wohnungsmarkt, in Radolfzell gibt es diese Übersicht seit 2017.

Chance für kleinere Städte und Gemeinden

Für kleinere Städte und größere Gemeinden bedeutet eine solche Datenerhebung einen relativ hohen Aufwand. Diese hätten die Rathaus-Chefs gescheut. Durch die Zusammenarbeit benachbarter Kommunen ließen sich diese Kosten spürbar senken, betont Mieterbund-Sprecher Winfried Kropp. Dies zeige das Beispiel des Bodenseekreises. Um eine Landesförderung zu erhalten, müssten mindestens zwei Kommunen zusammenarbeiten, hat das Wirtschaftsministerium des Landes mitgeteilt.

Sozialverwaltung des Landkreises profitiert

Um die Fördermittel des Landes abzurufen, solle das Landratsamt eine aktivierende und federführende Rolle übernehmen und interessierte Kommunen des Landkreises zusammenbringen, schlägt der Mieterbund Landrat Hämmerle vor. Denn auch die Sozialverwaltung des Landkreises habe von weiteren Mietspiegeln im Kreis deutliche Vorteile: Sowohl Sozialamt auch Jobcenter bezahlen viel Geld für die Kosten der Unterkunft von Grundsicherungsempfängern. Eine objektive Übersicht könne bei der Sachbearbeitung hilfreich sein, beschreiben Weber und Kropp den Nutzen für den Kreis.

Mangelnde Transparenz schadet Wohnungssuchenden

Ein Mietspiegel sorge nicht für einen Mietenstopp, weist der Mieterbund Bodensee auf ein weit verbreitetes Missverständnis hin, sondern sorge für Transparenz auf dem Mietwohnungsmarkt. In vielen Kreisgemeinden gehe die unvollständige Information über die Preise derzeit zu Lasten von Mietern und Wohnungssuchenden. So nütze die Mietpreisbremse den Einwohnern in Singen und Rielasingen-Worblingen gar nichts, weil dort niemand nachvollziehbare Auskunft über die ortsübliche Vergleichsmiete geben könne. Dies sei ein großer Unterschied zu den Immobilienpreisen. Auch in kleinen Gemeinden gebe es Preisübersichten der Gutachterausschüsse, an denen sich Kaufinteressenten orientieren können.

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